Avoid – Tiny House on Tour

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Anfang April machte italienische Architekt Leonardo Di Chiara mit seinem Avoid Tiny House in München Station.

Der Architekt Leonardo Di Chiara nennt sein Avoid Tiny House ein „Schweizer Taschenmesser“. Denn mit geübtem Griff öffnen sich überall wandelbare Flächen und Funktionselemente. Besichtigen konnte man das drei Tage lang vor den Pinakothek der Moderne in München. Vom 5. bis 8. April 2018 machte der Anhänger mit neun Quadratmeter Wohnfläche und begehbarem Sonnendach dort Station.

Avoid Tiny House – Häuser wie Zugvögel

Der Kurzaufenthalt in Zusammenarbeit mit dem Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne war Teil der „From Berlin To Rome“-Tour, während der der 27-jährige sein Konzept an verschiedenen Locations wie etwa dem Bauhaus-Archiv Berlin oder eben der Pinakothek der Moderne zur Diskussion stellt. Die Besucher sind eingeladen, mit ihm über Funktionen und Chancen seiner Mikro-Architektur zu diskutieren, oder auch mal selber zuzusteigen.

Leonardo Di Chiara sieht in seinem binnen des Jahres 2017 entstandenen Konzept einen Beitrag zum „migratorischen Wohnen“. Die auf dem Anhänger leicht zu bewegende Struktur soll genutzt werden, um auf zentralen Flächen temporären Wohnraum zu schaffen. Dabei denkt er daran, während der Sommerferien die Parkplätze von Schulen mit seinen Avoid Tiny Houses zu belegen. So ließe sich Wohnraum etwa für Zuziehende oder temporär Beschäftigte schaffen.

Beim Avoid Tiny House soll besonders ökologisch gebaut werden, so dass die Struktur nur wenig Strom benötigt. Obwohl es eine Sitzdusche und eine Toilette gibt, ist das Konzept noch nicht auf Autarkie ausgelegt. In München bezog der Architekt Wasser und Strom vom Museum. Für Abwasser gibt es derzeit einen Chemie-Tank.

Der modern und minimalistisch designte Innenraum ist darauf ausgelegt, einen ebenso nüchternen Lebensstil zu unterstützen. Denn auf Grund der kleinen Fläche haben Dekoration oder auch nur achtlos liegengelassene persönliche Gegenstände schlicht keinen Platz. Reduktion auf das Wesentliche ist eine der Merkmale der „Tiny House“ Bewegung. Diese hat besonders in den USA viele Anhänger.

Avoid Tiny House – ein glamouröser Wohnwagen

In Deutschland dürfte der von Di Chiara angeregte Wohnanhänger derzeit allerdings keine große Zukunft haben. Denn ein Abstellen auf unerschlossenen Brachflächen verbietet das Baurecht. Zentrale, und temporär ungenutzte Flächen wie Parkplätze bieten keine Infrastruktur für Wasser, Abwasser und Strom. Auch Sanitär- und Küchenräume dürfte eine Siedlung von Avoid Tiny Houses benötigen, wenn sie länger als nur wenige Tage steht. Zwar bietet das Avoid Tiny House sowohl Micro-Küche wie -Bad. Bei längerem Aufenthalt dürften beide jedoch für die Bewohner zu minimalistisch werden.

Tatsächlich gibt es freilich solche Infrastruktur schon. Und zwar auf Campingplätzen sowie Stellplätzen für Wagenburgen. Das dürfte aber von Umfeld und Lage wahrscheinlich nicht ganz dem entsprechen, was sich Die Chiara für das „Migratorische Wohnen“ vorstellt. Ganz ausgereift wirkt das Konzept aber ohnehin noch nicht. Denn mit etwa den kommunizierten etwa 50.000 Euro Baukosten entspricht der Quadratmeterpreis des Avoid Tiny House in etwa dem eines konventionellen Neubaus außerhalb der Metropolen. Ein Diskussionsbeitrag – und noch dazu ein ziemlich schicker – ist es aber allemal.

 

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