Der OnePlus 6T Test – Champagner-Klasse zum Sekt-Tarif

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Foto: OnePlus

Mit dem OnePlus 6T will der Hersteller endgültig zur Oberklasse aufschließen – aber zu einem Mittelklasse-Preis. Klappt das? Techsonar konnte das Kult-Smartphone bereits ausprobieren.

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Testfoto OnePlus 6T – Automatik-Modus

Fototermin am Wochenende beim Blumenhändler, denn über München regnet es Bindfäden. Als ich gerade ein paar Gerbera und Dahlien fotografiere, fragt ein Passant: „Ist das das neue iPhone Xr? Äh, nein. Verdammt. Schnell einstecken. Denn ich habe ein NDA unterzeichnet. Und das galt exakt bis heute Nachmittag, an dem OnePlus-CEO Pete Lau das neue Gerät in New York vorstellte. Übrigens kurzfristig einen Tag eher als geplant, um nicht im Medien-Hype rund um eine ebenfalls dort kurzfristig anberaumte Apple-Pressekonferenz unterzugehen.

OnePlus 6T Test – die Basics

OnePlus 6T test _StatsDie Schönheit, die dem neugierigen Viertel-Nerd ins Auge stach, ist ein nagelneues OnePlus 6T mit 8GB RAM und 128 GB Speicher, praktisch direkt aus China. Herzstück ist ein Snapdragon 845-Prozessor. „Mein“ OnePlus 6T ist in der Farbe „Midnight Black“, also Mattschwarz. Es gibt alternativ noch „Mirror Black“, also Schwarz-Glänzend. Ob es später weitere Farben geben wird, ist noch nicht bekannt.

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Unboxing: Das neue OnePlus 6T k0mmt mit Snap-Case. aber ohne Kopfhörer.

Das neue OnePlus 6T läuft unter OxygenOS 9.03. Das ist – wie bei allen aktuellen OnePlus-Modellen – ein optimiertes Android, in dem Fall Android 9. Erst kürzlich hat Lau bekannt gegeben, dass alle OnePlus-Smartphones künftig zwei Jahre Betriebssystem- und drei Jahre Sicherheitsupdates erhalten werden. Damit wäre ein großer Schritt hin zu mehr Sicherheit bei dem weltweit führenden Betriebssystem gemacht.

Kein Rahmen, wenig „Notch“

Das OnePlus 6T ist praktisch rahmenlos („bezel-less“), das Display misst 6,41 Zoll Bildschirmdiagonale. Mit 157.5 x 74.8 x 8.2 mm ist es nur 0,9 mm kleiner und 3,3 mm schmaler als meine Referenz, mein privates iPhone 8Plus. Das iPhone 8Plus bietet allerdings nur einen 5,5 Zoll-LCD-Bildschirm. Das OnePlus 6T ist 0,7 mm dicker als das iPhone 8Plus, aber mit 185 Gramm um 0,017 Kilo leichter.

OnePlus 6T test _NotchWie schon bei den Vorgängern wurde beim OnePlus 6T ein AMOLED-Display verbaut. Die Auflösung beträgt 2.340 x 1.080, das entspricht 402 Pixel per Inch (ppi). Das ist praktisch identisch zu meinen iPhone 8Plus und unserem Redaktions-OnePlus 5T, die beide 401 ppi bieten. Im direkten Vergleich wirkt das Display des OnePlus 6T trotzdem noch mal deutlich klarer und satter. Dank Corning Gorilla Glas 6 soll das Display gut vor Bruch geschützt sein. Ich hatte allerdings nicht das Herz, das auszuprobieren.

OnePlus 6T test _HuelleDer „Notch“, also die Aussparung am Display, wo die Front-Kamera und die Sensoren angebracht sind, ist beim 6T nochmal deutlich kleiner als beim Vorgängermodell 6. Das Gesamt-Design ist damit unglaublich stimmig. Durch die 3D-Rückseite aus Glas liegt das Gerät sehr gut in der Hand. Die mitgelieferte Schutzhülle aus rauchfarbigem Kunststoff braucht man also nicht unbedingt.

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Dank Fast Charge soll 30 Minuten Charge für einen ganzen Tag Akku reichen.

Trotz Glas-Rückseite kann man das OnePlus 6T wiederum nicht drahtlos aufladen. Ich persönlich finde das wahnsinnig schade, denn ich bin ein großer Qi-Fan. Allerdings wurde die „Fast Charge“-Funktion noch einmal verbessert: Mit 5 V/4A soll man binnen 30 Minuten mit dem mitgelieferten Netzstecker und USB-C-Kabel genug „Saft“ für den ganzen Tag in das Phone pumpen können. Das hängt, so denke ich, zwar ziemlich stark von der Nutzung ab. In der Kürze der Zeit, die ich das Phone vorliegen habe, kann ich nur bestätigen, dass es jedenfalls bei moderater Nutzung und gutem (Single-SIM) Uplink ohne Probleme gute zwei Tage durchhält. Wenn man das Gerät mit zwei SIMs bestückt, was bei OnePlus ja eigentlich als Standard möglich ist, wird das Durchhaltevermögen des 3.700 mAh-Akkus aber vermutlich doch etwas leiden.

Uups, weg – der Kopfhörer-Eingang

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Leider hat auch das OnePlus 6T keine 3,5 mm-Klinke mehr.

Ich habe ja anlässlich der neuen Bullet-Kopfhörer ja schon spekuliert, dass es mit dem 3,5 mm Mini-Chinch („Kopfhörerstecker“) nun wohl auch bei OnePlus vorbei ist. Und hatte natürlich recht. Dem neuen Gerät liegt nun ein Adapter USB-C-zu-3,5 mm bei, leider kein USB-C-Kopfhörer. Aber wahrscheinlich braucht den kein Mensch mehr. Und wenn ich ehrlich bin, so kommen auch bei mir fast nur noch drahtlose Kopfhörer zum Einsatz. Außer beim Laufen, denn da finde ich einfach keine, die zuverlässig in meinen Ohren halten…

Umzugshelfer

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Mit der Switch App geht der Umzug aufs neue OnePlus 6T sehr schnell.

So schön es ist, wenn man ein neues Smartphone bekommt: Der Umzug vom alten zum neuen Modell ist immer eine Qual. Vor allem dann, wen man womöglich noch von einem Betriebssystem zum anderen zieht. OnePlus hat mit der kostenlosen App „Switch“, die es für iOS und Android gibt, die Sache deutlich vereinfacht. Man benötigt kein Google-Backup mehr, sondern kann direkt von Gerät zu Gerät kopieren. Im Test klappte das mit dem OnePlus 5T ohne jedes Problem und binnen weniger Minuten. Nur die Bluetooth-Verbindung zum Fitness-Tracker musste ich noch mal einrichten.

Im OnePlus 6T Test: Die Sicherheit

OnePlus 6T test _FingerscanDas OnePlus bietet erstmals eine Gesichtserkennung zum Entsperren des Geräts. Es handelt sich allerdings nicht wie bei Apple Face ID um eine Infrarot-Abtastung, sondern um ein konventionelles biometrisches Foto. Die Einrichtung ist simpel, das OnePlus 6T ließ sich damit auch recht zuverlässig entsperren. Jedenfalls deutlich zuverlässiger, als etwa mein Surface Pro via Windows Hello…

Ehrlich gesagt war mir das aber ziemlich egal, denn der unter Glas gelegte Fingerprint-Sensor gefiel mir ohnehin viel besser. Man entsperrt das Gerät, indem man es auf den gekennzeichneten Bildschirm-Bereich legt, und mit einem magischen blaugrünen Glitzern öffnet sich der Sperrbildschirm. Ich jedenfalls habe mich gleich in die Funktion verliebt. Ein bisschen schneller könnte das Entsperren noch gehen, aber an der Zuverlässigkeit war nichts auszusetzen: selbst mit frisch gecremten Händen hatte ich keine Probleme.

OnePlus 6T Text: Die Fotos

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Das OnePlus 6 T hat wie das Modell 6 eine Dual-Linse.

Die Foto-Funktion ist für mich so ziemlich das wichtigste bei einem Phone. Das OnePlus 6T bietet bei Front- und Rückkamera 16 Megapixel. Die rückwärtige Kamera hat wieder zwei Linsen, bietet optische Bildstabilisierung und kann 4K-Videos mit 30/60 Frames pro Sekunde (fps) aufnehmen. In die Software der Selfie-Cam mit Blende f/2.0 und elektronischem Bild-Stabilisator sollen wieder allerlei Verschönerungs-Tricks eingebaut sein, und Videos in 1080P mit 30 fps macht sie natürlich auch. Nun interessieren mich Selfies so gar nicht. Der neue Nacht-Modus der Rücken-Kamera ist allerdings eindrucksvoll. Man muss das Smartphone dafür aber schon eine Zeit ruhig halten können.

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OnePlus 6T „Bokeh“-Funktion

Auch die Porträt-Funktion, die den Hintergrund mit dem beliebten „Bokeh“-Effekt verschwimmen lässt, hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Und sonst?

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OnePlus 6T Night Modus

Bei Geräten ohne physischen Home-Button wird die Steuerung über die verbliebenen Tasten wichtiger. So kann man über den Ein/Aus-Knopf wahlweise den Google Assistant oder die Kamera wecken. Man kann diverse Buchstaben auf dem ausgeschalteten Sperrbildschirm zeichnen und die dazu verwenden, um häufig genutzte Apps wie etwa Kamera oder Blitz einzuschalten. Screenshots lassen sich per Drei-Finger-Swipe aufnehmen. Nett, aber nicht lebenswichtig, finde ich.

Soll ich mit ein OnePlus 6T kaufen?

OnePlus 6T test _BoxWer ein rahmenloses Smartphone im schicken Design für einen relativ moderaten Preis sucht, liegt mit dem OnePlus 6T ziemlich goldrichtig. Dank der versprochenen Updates für drei Jahre läuft man auch nicht in die typische Support-Falle für Android-Smartphones der Mittelklasse. Die bekommen sonst nämlich nur selten Updates. Doch bei OnePlus soll das ja nun anders werden. Und damit eignet sich das OnePlus 6T auch für Menschen, die sich eben nicht alle zwölf Monate ein neues Smartphone kaufen wollen.

Kamera, (Mono) Sound und vor allem die Akku-Laufzeit haben mir gut gefallen. Das aufgeräumte, klare Design haben ich schon beim 5T und beim 6 gelobt. Für mich ist der Fingerprint-Sensor unter Glas das beste Feature, an dem kann ich mich kaum sattsehen.

Ein bisschen schade finde ich die fehlende Qi-Unterstützung sowie den verlorenen Kopfhörerstecker. Letzteres hat Platzgründe, so OnePlus, ersteres ist eine bewusste Entscheidung zugunsten von Fast Charge (das wirklich sehr gut ist).

Pete Lau nennt das OnePlus 6T das „bislang wichtigste“ Gerät des noch jungen Unternehmens. Jedenfalls ist es so ausgereift und schön zu bedienen, dass ich mir schon vorstellen kann, dass es viele Freunde findet. Mich hat das OnePlus 6T auf alle Fälle schon in seinen Bann gezogen. In nur zehn Tagen muss ich es zurückgeben, und weiß schon jetzt: Es wird mir fehlen.

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