Tile Pro 2022 im Test: Zeitenwende

Tile Pro 2022 im Test
Tile Pro 2022 mit Nokia X20
Testszenario: Tile Pro 2022 mit Nokia X20.

Für Tracker-Hersteller Tile ist es das erste Jahr nach der Zeitenwende. Denn mit dem Apple Air Tag kam im April 2021 ein Tracker aus Cupertino auf den Markt. Zeit für einen Test des aktuellen Tile Pro 2022. Testerin: Sonja Angerer

Dass Tracker für Schlüsselanhänger und andere Kleinigkeiten existieren, wissen die meisten Menschen wahrscheinlich erst seit April 2021. Was einigermaßen ungerecht ist, denn Tile bietet sie schon seit 2013 an. Deshalb ist die neueste Tile-Generation nun schon die fünfte. Wie bereits die vorhergehende Tile-Generation von 2019 (Test) gibt es sie in diversen Größen. Für den Test konzentrieren wir uns aber auf das Modell Tile Pro 2022, das im Oktober 2021 auf den Markt kam.

Wie die vorherigen Generationen (und anders als der Apple AirTag) verlässt sich der Tile Pro 2022 allein auf eine Bluetooth-Verbindung. Die soll allerdings mit modernen Android und iOS-Geräten bis zu 120 Meter weit reichen. Apple nutzt eine Ultrabreitband-Technologie, die unter anderem einen eine genauere Lokalisierung ermöglichen soll. Deshalb ist der AirTag auch erst mit iPhones ab dem iPhone 11 kompatibel.

Tile Pro 2022: Einrichten für den Test

Tile Pro 2022 vs. Apple AirTag
Harte Konkurrenz für den Tile Pro 2022: Der Apple AirTag.

Tiles lassen sich mit iOS-Geräten ab iOS 13 koppeln, also auch einem iPod Touch oder einem iPad. Bei Android-Geräten hängt es wohl vom Gerät ab, welche Betriebssystem-Version unterstützt wird. Unser Redaktions-Nokia X20 unter Android 11 vertrug sich im Test jedenfalls gut mit der Tile-App.

Die Kopplung eines Tile-Trackers mit der App ist unter iOS und Android problemlos: App öffnen, auf den einzigen Kopf auf dem Tracker drücken, hinzufügen, fertig. In den Details kann man noch ein Foto des so gekennzeichneten Gegenstandes hinterlegen, oder ihn einfach einem Oberbegriff wie „Tasche“ oder „Schlüssel“ zuordnen. Wie viele Tiles man so verwaltet, scheint relativ egal zu sein. Denn in meiner tummeln sich inzwischen fast ein Dutzend, inklusive eines Fitbit Inspire mit Tile-Technologie.

Tile Pro 2022 im Test: App auf Nokia X20
Die Tile-App läuft auf Android und iOS (hier ein Nokia X20).

Ich habe die Tile App sogar sowohl auf meinem privaten iPhone wie auf dem Redaktions-Nokia X20 installiert. Der Hersteller empfiehlt das nicht, aber es funktionierte bei mir die meiste Zeit ziemlich problemlos. Auf der Apple Watch gibt es sogar in Tile-Widget.

Wenn man Google Home installiert und sein Tile-Konto verbindet, kann man dem Tracker sogar per Sprachbefehl über einen entsprechenden Lautsprecher oder das Smartphone suchen lassen. Im Test hat das ganz gut funktioniert. Man sollte den Trackern allerdings einfache Namen in der Sprache geben, in der das Handy eingerichtet ist. Mit Mehrsprachigkeit kommt der Google Assistent, wie übrigens die meisten Sprachsteuerungen, nur sehr schlecht zurecht.

Tiles lassen sich auch mit Amazons Alex verbinden, doch das konnten wir mangels Gerät hier nicht testen.

Der Alltag mit dem Tile Pro 2022

Größenvergleich Tile Pro 2022 und Tile Pro 2020
Größenvergleich: Tile Pro 2022 (l.) und Tile Pro 2020.

Bei mir fügte sich der Tile Pro 2022 an meinem Wohnungsschlüssel nahtlos in den Alltag ein. Klar, hier werden Tiles ja auch schon seit Jahren genutzt. Die aktuelle Pro-Version des Tile Schlüsselfinders ist nach IP67 wassergeschützt, übrigens genau wie der Apple AirTag.  Allerdings haben bis jetzt alle meine Tiles jeder Generation Regengüsse und auch ein Verlorengehen im Morgentau gut vertragen. Baden gehen würde ich vorsichtshalber mit keinem.

Tile Widget auf Apple Watch
Für die Apple Watch gibt es ein Tile-Widget.

Beim neuen Tile Pro 2022 fällt auf, dass er deutlich größer ist als das Vorgängermodell. An der Batterie liegt das nicht, denn die ist wie beim Vorgänger eine CR2032. Allerdings geht das Gehäuse des Trackers nun deutlich schwerer auf. Bei zuvor liegt die vom Hersteller angegeben Laufzeit pro auswechselbarer Batterie bei circa einem Jahr. Blöderweise stellt man allerdings erst beim Blick in die App fest, wenn ein Tracker langsam leerläuft. Man kann dazu keine Benachrichtigung einstellen, was ich eher doof finde, und was Nutzer auch schon seit Jahren fordern.

Tile Pro 2022 geöffnet
Der Tile Pro 2022 im Test benötigt wie der Vorgänger eine CR 2032-Batterie.

Wenn man dazu neigt, seinen Schlüssel zuhause liegen zu lassen, oder den (mit einem Tile versehene) Geldbeutel in diversen Taschen zu vergraben, ist die Tile App Gold wert. In die App gehen, klingeln lassen, den Geräusch nachgehen, fertig. Wenn man sie App auf einem iPhone installiert, gibt es sogar ein kostenloses Widget für die Apple Watch.

Allerdings zeigt die Tile App, anders als Apples „Wo ist?“-Dienst keine Richtungspfeile zum vermissten Tracker an, das ist technisch nicht möglich.

Tiles wiederfinden

Außerhalb des Hauses wird es schwieriger, einen vermissten Tracker wiederzufinden. Denn weder Tiles noch der Apple AirTag haben ein eignes GPS-Modul. Das würde nämlich viel zu viel Strom benötigen. Bei Tile verlässt man sich deshalb auf andere Tile-Nutzer. Denn deren Bluetooth lokalisiert den Tracker sozusagen beim Vorbeigehen. Das funktioniert aber nur, wenn die getrackten Gegenstände per App auch als verloren gemeldet sind.

Tile Pro 2022 QR Code
Im Test schnell nicht mehr lesbar: Der QR-Code auf dem Tile Pro 2022.

Wer „in freier Wildbahn“ über ein Tile Pro 2022 stolpert, aber kein Tile-Nutzer ist, der musste bis jetzt die App installieren, um zu erfahren, wem der gefundene Tracker gehört. Bei der neuen Generation der Pro-Tracker ist hinten ein QR-Code aufgedruckt. Dieser führt zu einer Webseite, wo der Verlierer seine Kontaktdaten (hoffentlich) hinterlegt hat.

In Test funktionierte das Eingeben der Kontaktdaten erst, wenn der Tracker in der App als verloren gemeldet wird. Ich halte das für ungünstig, denn wenn man etwas Wichtiges vermisst, ist man wahrscheinlich aufgeregt. Ich würde dann Schwierigkeiten haben, meine Adresse schnell und richtig einzutragen. Deshalb fände ich es besser, wenn man das in der App für alle Tracker vorsorglich tun könnte.

Ich habe das neue QR-Tracking-Feature mit dem Tile Pro 2022 für den Test frisch aus der Packung ausprobiert, es funktioniert gut. Allerdings gilt das natürlich nur so lange, wie der QR-Code gut lesbar ist. Und das war leider nach schon einer guten Woche nicht mehr der Fall, denn der Aufdruck verblasst sehr schnell. Gute Idee, leider nicht ganz zu Ende gedacht ☹

Tile Premium Funktion
In der Tile-App kann man kostenpflichtig den Premium-Dienst abonnieren.

Im Netz gab es jüngst einige Fälle, in denen Tracker benutzt wurden, um Menschen zu stalken, indem man ihnen einen Tracker in Taschen oder Rucksäcke steckt. Derzeit hat die Tile-App noch keine Sicherungsfunktion eingebaut (übrigens anders als Apple), das soll aber Anfang nächsten Jahres kommen.

Die Tile-App bietet übrigens auch einen Premium-Dienst (Test) für saftige knapp 3,50 Euro / Monat oder knapp 33 Euro im Jahr an. Der benachrichtigt sofort, wenn man etwa ohne Schlüssel die Wohnung verlässt, oder sich die getrackte Handtasche vom Besitzer entfernt. Die getrackten Standorte sind außerdem 30 Tage lange einsehbar. Außerdem bekommt man für leere Tracker eine Ersatz-Batterie zugeschickt. Die wirklich wichtigen Tile-Funktionen funktionieren aber auch ohne Premium-Dienst.

Soll ich mir den Tile Pro 2022 aus dem Test kaufen?

Schlüssel finden Tile Pro 2022
Wer seinen Tile-Tracker finden will, muss gut zuhören.

Ich empfehle Tile-Tracker allen Schusseln, die gerne zuhause ihre Schlüssel suchen. Also etwa Menschen, die sich Autoschlüssel teilen und diesen dann prompt dauernd in Hand- und Hosentaschen suchen. Oder ihre Brillen-Etui immer in irgendeiner Tasche verbuddeln, und dann den Kleiderschrank auf den Kopf stellen müssen. Oder den Büroschlüssel gerne im Auto oder zuhause vergessen. Tile Tracker dran, und das Leben wird mit einem Mal viel entspannter.

Tracker finden: Apple Airtag
Das iPhone zeigt an, wo man den AirTag suchen soll.

Ob ein Tile wirklich hilft, einen Gegen stand wiederzufinden, den man etwa auf der Parkbank vergessen hat? Angesichts des relativ kleinen Nutzer-Netzwerkes hierzulande habe ich da so meine Zweifel. Apple verlässt sich bei den AirTags auf alle iOS-Anwender, das dürften wohl ein paar mehr sein.

Für IOS-Nutzer ist deshalb der AirTag eine kostspielige Alternative zum Tile Pro 2022. Für Android-Freunde, sowie alle, die nict nur Apple-Geräte, sondern etwa auch Alexa nutzen, sind Tile Tracker aber nach wie vor die allererste Wahl.