
Open-Ear-Kopfhörer sind der neueste Hype für alle, die unterwegs Musik oder Podcasts hören wollen, aber auch noch was von der Umgebung mitbekommen müssen. Hochwertige Modelle, etwa von Motorola und Skullcandy (Vergleichstest) kosten um die 100 Euro. Da kam ein Temu-Angebot gerade recht: Open Ear Kopfhörer in einem schicken Retro-Kamera-Case für rund 5 Euro. Geldverschwendung oder echte Alternative? Ich habe ein Exemplar bestellt und für euch getestet und dabei auf folgende Punkte besonders geachtet:
- Lieferung und Lieferumfang
- Inbetriebnahme und Installation
- Sound im Alltag
- Besonderheiten und Absonderlichkeiten
- Fazit: Geldverschwendung oder echte Alternative?
Open-Ear-Kopfhörer von Temu: Lieferung und Lieferumfang

Die Retro Open-Ear-Kopfhörer im Kamera-Design gibt es bei Temu von mehreren Anbietern. Auf meinem Modell steht „ Sound by KFG – Designed of California“. Es ist in Sattelbraun, Cremeweiß sowie Salbeigrün zu haben.
Die Lieferzeit beträgt wie angekündigt knapp 14 Tage. Die Kopfhörer kommen in einer kleinen weißen Schachtel mit der Aufschrift „New SenYang“. Außer den Kopfhörern findet sich darin noch ein kurzes USB-A-zu-USB-C-Kabel, sowie eine sehr knappe Bedienungsanleitung in mehreren Sprachen, auch in Deutsch. Man kann sie auch als PDF herunterladen, sie enthält dann aber auch nicht mehr Informationen. Insgesamt wirkt das Ganze ein bisschen billig, aber das ist es ja auch. Auf dem Lade-Case befindet sich ein Aufkleber mit CE- sowie RoHS-Zeichen.
Inbetriebnahme und Installation der Open-Ear Kopfhörer

Die Kopfhörer können mit einem Wandstecker geladen werden, der zwischen 5 und 2,5 Watt Leistung bietet. Ich stecke also mein neues Gerät an den PC und warte, bis die Akkuanzeige im aufgedruckten Objektiv „100%“ zeigt. Das dauert etwa eine halbe Stunde.
Als sich die beiden Open Ear-Kopfhörer dann aus der Schachtel nehme und mir an die Ohren klemme, gibt es zunächst eine kleine Licht Show, und dann sagt eine freundliche chinesische Dame in meinem Ohr irgendetwas, das ich leider nicht verstehen kann.
Die Kopplung der Kopfhörer klappt in den Android Einstellungen unseres Samsung Galaxy A16 (Test) dann aber problemlos, nachdem ich begriffen habe, dass mit „TWS“ tatsächlich dieser Kopfhörer gemeint ist.
Der Retro Open-Ear-Kopfhörer lässt sich nur mit einem Gerät gleichzeitig verbinden. Es ist aber möglich ihn mit weiteren Geräten zu koppeln, weil die Ear Buds jedes Mal in den Kopplungsmodus gehen, wenn sie kein Gerät finden, mit dem sie bereits verbunden sind. Dadurch konnte ich sie auch problemlos mit dem PC unter Windows 10 bekannt machen.
Temu-Kopfhörer: Sound im Alltag

Im Alltag mussten die Temu Retro Kopfhörer vor allem für die Sprachwiedergabe herhalten: Online Meetings, Telefonate, Podcasts, Hörbücher. Das funktioniert erstaunlich gut. Auch meine Gesprächspartner hatten keine Schwierigkeiten, mich zu verstehen.
Die Musikwiedergabe empfand ich als zu höhenbetont, bei großer Lautstärke auch deutlich übersteuert. Überhaupt werden diese Kopfhörer ziemlich laut. Offensichtlich fehlen die Limiter, die in vielen Modellen für den europäischen Markt eingebaut sind, um Hörschäden zu vermeiden.
Besonderheiten und Absonderlichkeiten

Bei einem derartig günstigen Open Ear-Kopfhörer muss man natürlich gewisse Kompromisse machen. Im Alltagstest fiel mir auf, dass sich die Lautstärke manchmal auf geheimnisvolle Weise veränderte. Dies trat unter Android sowie unter Windows 10 auf. Nur am PC ging außerdem gelegentlich die BT-Verbindung verloren.
Ebenfalls auffällig: die Akkuanzeige am PC oder Android-Gerät stimmte nicht immer mit dem überein, was auf dem Mini Display des Lade-Case angezeigt wurde. Von dort scheint man aber den verlässlicheren Ladezustand ablesen zu können. 2 bis 3 Stunden hielten die Kopfhörer problemlos durch, doch war der Ladezustand mal unter 30% gefallen, ging es wirklich sehr schnell bergab. Binnen Minuten schaltete sich das ganze Gerät aus. Auf Temu sind bei der Produktbeschreibung keine Hinweise zur Akkukapazität oder Stand-by-Zeit zu finden.
Ich empfand die Open Ear Kopfhörer als ziemlich bequem. Allerdings hängt das immer von der Ohrform ab. Im Vergleich zu den Moto Buds Loop (Test) saßen sie bei mir etwas weniger stramm, hielten aber trotzdem beim Gehen und Radfahren prima.
Beim Aufsetzen musste ich mich etwas anstrengen, denn Lautsprecher- und Akku-Seite sehen ziemlich ähnlich aus. Nach dem zweiten oder dritten Mal konzentriert aus dem Lade-Case nehmen klappte es aber auch blind.
Fazit: Temu Open Ear Kopfhörer: Geldverschwendung oder echte Alternative?

Wer einen zusätzlichen Open-Ear-Kopfhörer für die Sport- oder Fahrradtasche sucht, macht mit dem billigen Temu True Wireless Headset (Kaufberatung) im Grunde nichts falsch. Für den Preis eines großen Cappuccinos bekommt man einen kabellosen Kopfhörer, der bei der Sprachwiedergabe wenig zu wünschen übriglässt. Für Hifi-Fans oder Menschen, die auf aktive Rauschunterdrückung (ANC) Wert legen, ist dieser Kopfhörer allerdings nichts. Dies gilt im Grund aber so ähnlich für alle Headsets dieser Bauart.
Bleibt die Frage, wie langlebig und damit nachhaltig das Gerät ist. Auf den ersten Blick wirkt es stabil und sorgfältig gebaut, und binnen 14 Tagen Testzeit trat keine Verschlechterung auf. Wie lange das so bleibt, kann niemand sagen. Aber das gilt für jedes Markengerät genauso.
Wie wir bei Techsonar testen
Bei Techsonar folgen unsere Testberichte einem klaren Prinzip: Wir prüfen Technik so, wie Menschen sie tatsächlich nutzen. Statt Geräte nur kurz auszupacken oder rein auf Laborwerte zu schauen, nehmen wir sie mit in unseren redaktionellen Alltag. Das bedeutet: Smartphones wandern mit uns durch Stadt und Land, Kopfhörer begleiten uns auf dem Weg ins Büro, Wearables laufen über Wochen bei echten Aktivitäten mit – nicht nur im Fitnessstudio, sondern auch beim Einkaufen oder auf Reisen. Nur so zeigt sich, wie Produkte im realen Leben funktionieren.
Unsere Alltagstests dauern in der Regel mindestens eine Woche, häufig deutlich länger. Je komplexer ein Gerät ist, desto mehr Zeit geben wir uns, um typische Stärken und Schwächen herauszuarbeiten. Bei smarten Home-Geräten testen wir oft mehrere Wochen, um Updates, Routinen oder Energieverbrauch besser bewerten zu können. Wichtig sind uns dabei vor allem Bedienbarkeit, Zuverlässigkeit, Leistung im Alltag und ein Gefühl dafür, wie gut Produktversprechen tatsächlich eingehalten werden.
Der Unterschied zwischen einem Alltagstest und einem Labortest ist fundamental:
Ein Labortest misst unter kontrollierten Bedingungen. Er liefert exakte Werte wie Displayhelligkeit, Akkukapazität, Lautstärke oder Messgenauigkeit. Das ist wichtig – aber oft nur die halbe Wahrheit. Ein Alltagstest zeigt dagegen, wie sich ein Gerät anfühlt, wie intuitiv es ist, ob es nervt, begeistert oder überrascht. Dinge wie Tragekomfort, Software-Bugs, echte Akkulaufzeit oder Verhalten unter Stress lassen sich im Labor kaum realistisch abbilden.
Gerade deshalb bieten Alltagstests den meisten Menschen mehr relevante Informationen. Die Mehrheit unserer Leserinnen und Leser möchte wissen: Funktioniert das Produkt in meinem täglichen Leben? Lohnt sich der Kauf? Passt es zu meinen Gewohnheiten? Genau diese Fragen beantworten wir – praxisnah, ehrlich und mit viel Erfahrung aus der redaktionellen Nutzung heraus.
Text: Sonja Angerer
Transparenzhinweis: Der Open-Ear-Kopfhörer von Temu wurde anonym zum vollen Preis gekauft.
