Gehörschutz de Luxe: Loop Experience Earplugs im Festival-Test

Loop Experience Gehörschutz
Lop Experience Packaging
Der Loop Experience Gehörschutz kommt im handlichen Karton.

Sommerzeit, Festivalzeit: Wer auf drei Tage Summen im Ohr als Souvenir verzichten kann, der trägt Gehörschutz. Allerdings sind die üblichen Stöpsel aus Wachs oder PU-Schaum nicht gerade stylisch. Die Loop Earplugs Experience wirken dagegen wie ein Schmuckstück im Ohr. Ich teste sie auf dem Raut Oak Underground Festival sowie beim Patti Smith Konzert.

Die Basics: Loop Experience Ear Plugs

Die Loop Experience Ear Plugs werden von der belgischen Firma Loop BV vertrieben. Es gibt sie in den Varianten Quiet, Experience und Experience Pro. Zusätzlich kann man sich weitere Silikon-Aufsätze in verschiedenen Farben, sowie die so genannten „Mute Ring“ als Zubehör kaufen. Letzterer reduziert den Geräuschpegel noch einmal zusätzlich um 5dB. Er kann mit den Modellen Experience und Experience Pro benutzt werden.

Loop Gehörschutz Größenvergleich
Die mitgelieferte Box für den Gehörschutz passt an jeden Schlüsselbund.

In der Packung meiner Loop Experience Ear Plugs (knapp 25 Euro) in Schwarz-Gold liegen Standard-Silikonaufsätze in vier Grüßen sowie eine praktische kleine Trage-Box für den Schüsselbund bei. Die richtige Größe bei den auswechselbaren Eartips muss man, ähnlich wie bei True Wireless Kopfhörern, durch ein bisschen Ausprobieren herausfinden. Mir passt die zweitkleinste, der Wechsel der Ear Tipps geht problemlos. Es scheinen Standard-Produkte zu sein, man kann also auch die Ohrstücke von einem Headset verwenden.  Auf der Webseite des Herstellers gibt es auch noch Schaumstoff-Aufsätze zu kaufen, die bei langem Tragen noch bequemer sein sollen.

Wie viel leiser wird es mit dem Loop Experience Gehörschutz?

Ear Tips Loop Experience
Eines der vier Ohrstücke funktioniert wohl in jedem Ohr.

Alle Loop Earplugs reduzieren den Schall um 18dB. Dazu kommen laut Hersteller Filter sowie ein akustischer Kanal zum Einsatz. Das klingt erst mal nicht viel, und ist es auch nicht, denn 18 Dezibel entsprechen in etwa einem leisen Flüstern.

Allerdings muss man wissen, dass bei Konzerten sehr häufig der Schallpegel auf etwa 100 dB begrenzt wird. Dann aber drückt der Loop-Gehörschutz den Pegel unter die kritischen 85 dB, und damit unter die Lautstärke, ab der bleibende Gehörschäden wahrscheinlich sind.

Natürlich ist die Lautstärke nicht überall auf einem Festival oder in einem Konzertsaal gleich hoch. Trotzdem: Direkt vor die Boxen bei einem Großkonzert würde ich mich mit den Loop Experience nicht stellen wollen. Denn dafür die die Reduktion einfach zu gering.

Zum Vergleich: Üblicher Profi-Gehörschutz aus PU-Schaum für lärmbelastete Arbeitsplätze verringert den Schalldruck zwischen 24 und 37 dB, die Schaumgummi-Teile aus dem Drogerie-Discounter um bis zu 34 dB. Speziell angepasster Profi-Gehörschutz, etwa für Musiker oder Sportschützen, erreicht noch deutlich höhere Dämmwerte, kann aber sehr teuer werden.

Auf Festivals und Konzerten mit Loop Experience

Raut Oak Karten + Loop Experience
Auf dem Raut Oak Fest muss der Loop Gehörschutz in den Praxis-Test.

Meine Loop Experience Ohrstöpsel begleiteten mich für den Test zum Underground Musik Festival Raut Oak. Dort gab es in diesem Jahr eine wilde Mischung aus Deep Blues, Garage, modernem Psychodelic und Post Punk, frisch serviert auf einer Holzbühne gleich neben einer großen Eiche. Durch das weite, offene Festivalgelände kann man sich leicht ein gemütliches Plätzchen abseits suchen, wenn es einem zu laut wird. Bierbänke laden zum Sitzen und Ratschen ein, auch wenn Künstler auf der Bühne stehen. Deshalb ist es wichtig, dass der Gehörschutz Gespräche nicht zu stark abdämmt.

Ich setze mir die Loop Experience ein, als ich in die Nähe der Hauptbühne komme, und siehe da: die Musik wird deutlich ruhiger, doch die Nuancen bleiben. Das ist ein deutlicher Unterschied zu den Stöpseln vom Discounter, die ich sonst immer verwende.

Einfach einsetzen und Ruhe

Das Einsetzen funktionierte bei mir auch ohne Spiegel gut, denn der kreisrunde Außenteil schlüpft sehr folgsam unter meinen Tragus. Dadurch bleibt der Gehörschutz bombenfest und drückt auch nach mehreren Stunden nicht. Unterhalten konnte ich mich trotz Gehörschutz gut.

Konzert Olympiapark
Gut auch bei Großkonzerten: Loop Experience Ohrstöpsel

Beim Patti-Smith-Konzert auf dem Münchner Tollwood wollte ich vor allem dem fetten Sound eines Großkonzert etwas entgegensetzen, in dem Gedränge kann man sich ohnehin nicht unterhalten. Doch auch hier funktionierte der Loop Experience Gehörschutz überraschend gut. Denn selbst die leisen und Sprech-Passagen kamen gut an, während das Rockgewitter aus den Boxen von den Ohrstöpseln so weit gebremst wurde, dass ich mich nach dem Konzert wieder in normaler Lautstärke verständigen konnte. Das war, ehrlich gesagt, besser als ich erwartet habe.

Soll ich mir den Loop Gehörschutz kaufen?

Mit knapp 25 Euro über Amazon (Affilate Link) sind die Ohrstöpsel nicht ganz günstig. Die verhältnismäßig geringe Dämmung sorgt für gedämpften, aber nicht verminderten Musikgenuss. Um sich zu unterhalten, muss man den Gehörschutz nicht unbedingt entfernen. Durch das schicke Design wirken die Loop Experience Ear Plus zudem eher wie ein extravagantes Schmuckstück denn eine langweiliger Gehörschutz, das gilt vor allem für die Versionen in metallischen Farben.

Allerdings: Wer gerne auf super-laute Konzerte geht, wird die Dezibel-Verminderung wahrscheinlich als nicht ausreichend empfinde. Auch bei nächtlichen Geräuschen (die lieben Nachbarn, schnarchende Bettgenossen) helfen die Loop Experience nur bedingt, obwohl man mit ihnen gut schlafen kann.

Ideal stelle ich mir die Stöpsel für laute Büro- oder Lernumgebungen vor, denn sie lassen sich wirklich gut tragen und helfen durch die angenehme Dämpfung bei der Konzentration. In meiner Alltagstasche bleibt ab jetzt jedenfalls immer ein Plätzchen frei für diesen Gehörschutz.

Neue Loop-Versionen

Loop Experience 2
Die brandneuen Loop Experience 2 Plus Kinetic kosten knapp 40 Euro.

Für 2024 hat Loop sein Produkt-Line-Up umfassend geändert. Der Die Loop Earplugs gibt es jetzt in den Versionen Quiet 2, Engage2, Switch und Experience 2 Plus. Sie sind jeweils auf verschiedene Lärmsituationen zugeschnitten. Für Festivals empfiehlt der Hersteller die Experience 2-Reihe. Sie reduziert um 17 dB. Außerdem ist mit Engage Kids erstmals auch ein Modell speziell für Kinder zu haben. Passend zur neuen Festival-Saison gibt es nun auch wieder eine limitierte Loop x Tomorrowland-Version.

Zubehör erweitert

Zusätzlich gibt es Änderungen beim Zubehör. Denn endlich sind passende Loop Links zu haben. Das sind Nackenbänder, die dafür sorgen, dass der Gehörschutz nicht verloren geht, wenn es sich beim Tanzen aus dem Ohr löst. Auch die Aufbewahrungsdöschen wurden einem Update unterzogen. Man kann die Ohrstöpsel nun sauber hineinlegen und einfacher herausnehmen. Nachteil: Sowohl die Loop Earplugs wie auch das Zubehör ist deutlich teurer geworden. Die Experience 2 kosten beispielsweise 5 Euro mehr als meine Loop Experience. Das Spitzenmodell Switch schlägt gar mit knapp 55 Euro zu Buche.

Alternativen zum Loop Gehörschutz

Update Loop Gehörschutz
Die Jayine Ohrstöpsel kosten ca. die Hälfte des Loop-Basismodells.

Amazon ist inzwischen voll von günstigen Alternativen zu den Loop Ohrstöpseln. Ich bestelle deshalb ein Modell, das mit gut 270 Bewertungen und einem Durchschnitt von vier Sternen vielversprechend aussieht. Die Jayine Ohrstöpsel (Affiliate Link) kosten knapp 11 Euro. Das ist etwas mehr als die Hälfte als das Loop-Basismodell Quiet kostet. Diesem sehen die Jayine Ohrstöpsel recht ähnlich, als sie ein paar Tage später zusammen mit Eartips in insgesamt vier Größen geliefert werden. Die Verpackung ist recht unspektakulär, eine weiße, einfarbig bedruckte Box. Wie erwartet  kommt der Gehörschutz von Jayine direkt aus China. Wie bei meinen Loop-Stöpseln ist auch hier eine kleine, runde Kunststoffschachtel dabei, mit der man die Earplugs an Schüsselbund oder Tasche hängen kann. Sie gleicht dem Loop-Modell sehr, hat aber einen um ca. 2 mm größeren Durchmesser, und auch das Loop-Logo fehlt natürlich.

Jayine Ohrstöpsel: Loop Alternative?
Angetestet: Sind Jayine Ohrstöpsel eine Alternative zu Loops ?

Die Handhabung entspricht Jayine Ohrstöpsel entspricht den Loops Earbuds: Passende Eartipps aussuchen, Stöpsel in die Ohren und ein bisschen drehen, um sie hinter dem Tragus zu verankern. Das Jayine-Modell verspricht eine Lautstärke-Verminderung von 30 dB. Das sind deutlich mehr als die 18 dB, die Loop angibt.

Lauter oder leiser?

Im direkten Vergleich vor meinen Boxen konnte ich die höhere Dämmungsleistung nicht bestätigen, ich würde sagen, zwischen meinen Loops und den neuen Jayne Ohrstöpseln gibt es in puncto Lärmreduzierung keinen (subjektiven!) Unterschied. Ich habe die Stöpsel außerdem Nachts ausprobiert, denn in unsere Straße randalieren diverse LKWs morgens recht laut. In ca. sieben Stunden Tragezeit empfand haben meine Ohren nicht geschmerzt, und ich ziemlich gut geschlafen. Allerdings hängt der Tragekomfort, wie bei allen Ohrstöpseln dieser Art, stark davon ab, wie die eigenen Ohren beschaffen sind. Kann also durchaus sein, dass jemand anders auf Dauer beim Tragen Schmerzen bekommt. Dagegen hilft leider nur selbst ausprobieren.

Sind günstige Alternativen zu den Loop Ohrstöpseln gut?

Jayine Ohrstöpsel als Alternative zu Loop
Die Jayine Ohrstöpsel sehen Loop Quiet recht ähnlich.

Bei den Alternativen zu den Loop Ohrstöpseln kommt es natürlich darauf an, welchem man genau nimmt. Es gibt Markenprodukte wie Flare Calmer, aber auch China-Brands, über die man im Westen wenig weiß. Dadurch besteht bei den „No Names“ immer die Gefahr, dass die Qualität nicht stimmt. Die Jayine Ohrstöpsel wirken auf mich sehr hochwertig,  vor allem für den Preis. Ich werde sie daher als Zweit-Set in meine Ausgeh-Tasche packen, man weiß schließlich nie, wann es einem in einem Club oder auf einem Konzert zu laut wird.

 

Über Sonja Angerer 1042 Artikel
Fachautorin und Redakteur. Bei Techsonar vor allem zuständig für die Bereiche Smartphone, Smart Home und Gadgets. Mit viel Erfahrung in Fachmagazinen, u.a Macwelt, Digifoto, Sign Pro Europe, Large Format und Fespa.com.