Test Nokia X10 und Nokia X20: Nachhaltige Flaggschiffe

Test Nokia X10 Test Nokia X20 Hero
Nokia X10 Test: Verpackung
Im Test: Nokia X10 und Nokia X20 von HMD.

Mit dem Nokia X10 und dem Nokia GX20 aus unserem Test hat HMD zwei Mittelklasse-Smartphones auf den Markt gebracht, die als Spitzengeräte der aktuellen Range gelten sollen. Dabei wurde vor allem auf Langlebigkeit Wert gelegt. Das muss ich mir mal ansehen. Testerin: Sonja Angerer

Nokia X10 im Test und Nokia X20 Vergleich

Nokia X20 im Test: Gewicht
Nachgeschaut: Sowohl das X20 (im Bild) wie das X10 wiegen 214 Gramm.

Wenn man ein Nokia X10 und ein Nokia X20 auf einem Tisch liegen sieht, ist es schwer, zunächst überhaupt einen Unterschied festzustellen. Denn beide Geräte bietend die exakt gleichen Dimensionen (168.9 x 79.7 x 9.1 mm). Das Gewicht beider Phones beträgt laut meiner Küchenwage jeweils 214 Gramm, also etwa mehr als zwei Tafeln Schokolade. (Der Hersteller gibt 220 Gramm an). Inklusive der kompostierbaren Hülle, die beiden Geräten beiliegt, erhöht sich das Gewicht der Smartphones auf meiner Wage auf 247 g. In der Tasche ist das ziemlich massiv, allerdings bieten beide Phone mit 6,67 Zoll auch ziemlich große Bildschirme.

Das ist fast so viel Bildschirmdiagonale wie z.B. beim iPhones 12 Pro Max. Das ist allerdings deutlich leichter und kleiner. Das liegt an dem relativ großen Rahmen, den beide Nokia-Smartphons noch um den Bildschirm haben. Vor allem am unteren Rand (Kinn) fällt das auf. Mich hat das tatsächlich nicht so sehr gestört, da mein letztes iPhone ein 8 Plus war – das war mal Bezel… Wahrscheinlich liegt es auch an diesem Gerät, dass mit der LCD-Bildschirm mit 1080 x 2400 Pixeln im 20:9-Format nicht gestört hat. Natürlich haben heute viele Geräte der mittleren Preisklasse bereits AMOLED-Displays. Im direkten Vergleich mit dem aktuellen iPhone 12 empfand ich den Unterschied gerade im Dark-Modus aber als gar nicht so dramatisch. Mit 450 nits reichte mir die Helligkeit des Nokia X10 und X20 auch im (deutschen) Sonnenlicht aus.

Die Basics beim Nokia X10 und X20

Seite an Seite für den Test: Nokia X10 und Nokia X20
Seite an Seite für den Test: Nokia X10 und Nokia X20

Das Nokia X10 wie das X20 haben ein Punchhole-Kamera für Selfies. Beim X10 bietet sie 8 Megapixel, beim X20 32 Megapixel. Das X10 schützt Gorillaglas 3, das Nokia X20 aus unserem Test hat Gorillaglas 5 verbaut. Beide Geräte sind nict wasserdicht und haben griffige Kunststoff-Rückseiten. Sie sind in jeweils zwei Farben zu haben. Beim Nokia X10 sind das Weiß und Grün, beim X20 Blau und Bronze.

Auch bei den Prozessoren setzt HMD beim Nokia X10 und Nokia X20 aus unserem Test auf Gleichförmigkeit. Verbaut ist jeweils ein Qualcomm SM4350 Snapdragon 480.Beim Akku gibt es ebenfalls keine Unterschiede. Mit den 4470 mAh kam man im Test ganz gut auch durch einen zweiten Tag. Das Laden via USB-C dauert allerdings trotz 18 Watt „Schnellladung“ ziemlich. Hat mich nicht gestört, weil ich meine Phones ohnehin meist über Nacht lade. Auch den fehlenden Wandstecker zum beigelegten USB-C auf USB-A-Kabel nahm ich eher erfreut zur Kenntnis. Denn ich habe seit Jahren einen Mehrfach-Ladestecker laufen, und bin nicht scharf auf noch ein Stück Elektroschrott in form eines Wandsteckers, das ich nie nutze. Mit der stattdessen beigepackten, kompostierbaren Hülle im Bioplastik-Design kann ich deutlich mehr anfangen.

Nachfoto Nokia X20 (Test)
Nachtfoto für den Test: Nokia X20.

Das mir vorliegende Nokia X10 hatte 6 GB RAM / 64 GB Speicher. Das empfinde ich als etwas knapp, denn nachdem ich das Gerät nur aktiviert hatte, waren schon 30 % davon belegt. Das Nokia X20 bietet mit 8 GB / 128 GB hier deutlich mehr.

Nachhaltigkeit bei Nokia / HMD

Mit den beiden Spitzenmodellen X10 und X20 setzt Nokia / HMD auf Nachhaltigkeit. So werden beim Kauf über die Firmen-Webseite beim X20 auch 20 Bäume pro abgesetztem Gerät gepflanzt. Auch den weggelassenen Wandstecker bucht man – wie viele andere Firmen – als Initiative zu mehr Umweltschutz. Wer einen passenden Wall Charger benötigt, legt jedenfalls bei Nokia noch mal knapp 17 Euro hin.

Sicherheitsupdate Juni 2021 Nokia X10 (Test)
Aktuelles Sicherheits-Update beim X10 / X20: Juni 21.

Das Problem bei Androiden – man kann es nicht oft genug schreiben – ist zumeist die fehlende Software-Unterstützung. Deshalb ist kann man HMD nicht genug loben, dass sie dem X 10 wie dem X20 jeweils drei Jahre Sicherheits- und Betriebssystem-Updates verspricht. Damit sind die Geräte tatsächlich auch während des Zeitraums halbwegs sorgenlos zum Online-Banking, Smart Home-Steuerung und anderen sicherheitsrelevanten Anwendungen einsetzbar. Fehlende Sicherheitsupdates sind ansonsten nämlich wohl der Hauptgrund für eine „Frühpension“ von Androiden.

Bei der relativ großen Verpackung aus Karton mit kompostierbaren Kunststofftüten und diversen beilegenden Papierbroschüren kann man fragen, ob man da nicht eher noch sparsamer sein könnte. Andererseits sind Papier und Karton sehr gut recyclingfähig und haben und Deutschland eine immens hohe Sammelquote, insofern ist das wahrscheinlich so weit OK.

Konnektivität beim Nokia X10 / X20

Nokia X20 Unterseite
Nokia X20 von unten: Cinch, USB-C, Lautsprecher

Beide Geräte sind Dual-SIM-fähig. Mir gefällt das gut, egal ob für den Urlaub oder für Beruf / privat. Auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit, weil man ggf. nur ein Phone braucht. Das Tray ist jeweils seitlich, man benötigt zum Öffnen die beigefügte Nadel(!), weil das Löchlein wirklich sehr eng ist. Wenn man auch eine Micro-SD-Karte installieren will, fällt die zweite SIM weg. Das ist ziemlich marktüblich, kann aber zumindest beim X10 auch ärgerlich werden.

Makro-Aufnahme mit dem Nokia X10
Makro-Aufnahme mit dem Nokia X10.

Bei den Smartphones ist unten am Gerät ein recht kraftvoller (aber für meinen Geschmack etwas quäkiger) Lautsprecher verbaut. Dort findet man auch eine Mini-Klinke für Headsets oder kabelgebundene Kopfhörer. Letzteres benötigt man als Antenne, wenn man das eingebaute UKW-Radio nutzen will.

Beide getesteten Nokias, das X10 wie das X 20, bieten übrigens 5G. Das muss man eher als Investition in die Zukunft sehen. Günstige Verträge und Prepaid-SIMs bieten in Deutschland meist noch kein 5G, und die Abdeckung lässt wohl auch noch an vielen Stellen zu wünschen übrig. Aber in zwei, drei Jahren sieht das vermutlich ganz anders aus, insofern ist es gut, dass die beiden Androiden aus dem Test das schon können. In der Preisklasse ist 5G auch durchaus noch keine Selbstverständlichkeit.

Nokia X20 Kabel
Das Nokia X20 und X10 im Test werden mit Kabel, aber ohne Wandstecker geliefert.

Den OK-Google-Button links hätte man sich für meinen Geschmack aber komplett sparen können. Er aktivierte ich bei mir immer, wenn ich ihn gerade gar nicht gebrauchen konnte, deshalb stellte ich ihn im Menü ab. Leider kann man ihn nicht alternativ belegen.

Fotos beim Nokia X10 / X20

Auf der Rückseite tragen das Nokia X10 wie das Nokia X20 aus unserem Test ein Zeiss Kamera Array. Äußerlich erkennt man keinen Unterschied. Allerdings sind die Leistungsdaten nicht identisch. Beim Nokia X10 hat das Hauptmodul 48 Megapixel, beim X20 64. Beide Geräte bieten jeweils 5 MP ultra-weit und 2 MP Macro und Tiefe.

Zeiss Foto App
In der Zeiss Foto App gibt es auch einen Pro-Modus.

Interessanterweise lassen sich die Fotos aus der Hauptkamera im direkten Vergleich kaum auseinanderhalten. Bei guten Lichtverhältnissen gefallen mir die Fotos gut. Beim Portät-Modus hatte ich bei Blumen-Fotos manchmal seltsame Farbverschiebungen. Vermutlich ist dieser auf Gesichter hin optimiert. Macro und Nah-Fotografie, also etwa auch das Digitalisieren von Dokumenten, hat bei mir gut funktioniert. Klar, mein iPhone 12 ist besser – aber es kostet auch 2,5 x so viel.

Den Nachtmodus fand ich allerdings wirklich … enttäuschend. Wo das iPhone noch ein ziemlich scharfes Bild erzeugte, gab es bei Nokia… Schwärze. Auch Nachtfotos mit stark unterschiedliche Lichtsituationen fand ich nicht besonders ansprechend aufgezeichnet. Die Bilder rauschen verhältnismäßig stark und können auch manchmal einen deutlichen Farbstich haben. Man muss sich allerdings auch klarmachen, dass das in dieser Preisklasse ziemlich normal ist: Das X10 kostet beim Hersteller 329 Euro, das X20 399 Euro.

Es gibt noch ein paar weitere Spezial-Modi wie Makro, Panorama und Porträt, außerdem kann man Videos in Zeitlupe oder im Zeitraffer sowie im Kino-Mode (20:9) aufnehmen. Beide Geräte bieten bei der Rückenkamera maximal FHD 1080 /60fpx. Bei der Frontkamera ist das Nokia X10 im Test auf FHD und 30 Frames pro Sekunde limitiert, das X20 zeichnet auch hier wahlweise mit 60 Frames auf.

Software und Sicherheit beim Nokia X10 im Test und Nokia X20

Smart Lock Nokia X20
Unter Android 11 kann man ein Smart Lock einbinden, z.B. mit einem Fitness-Tracker.

Die beiden Nokia-Smartphones aus unserem Test haben beiden einen Fingerprint-Sensor an der Einschaltaste. Beim X20 hatte ich das Gefühl, dass er noch etwas besser funktioniert als beim X10. Das hat mich wirklich gefreut, denn beim kürzlich getesteten Nokia G10 war ich wenig begeistert. Alternativ oder zusätzlich zum Fingerprint kann man bei den X-Modellen auch Gesichtserkennung sowie die PIN / Muster einrichten. Natürlich gibt es auch Smart Lock (orts- und geräteabhängig.) Das geht beispielsweise dann auch mit einem Fitbit-Tracker.

Das Nokia X10 und Nokia X20 im Test kamen mit aktuellem Android 11. Außer Netflix sowie Amazon Shopping sind ab Werk nur Google-Apps installiert. Das bedeutet, dass auf den beiden Nokia praktisch „plain“ Android 11 installiert ist. Ich konnte jedenfalls keinen Unterschied zum redaktionseigenen Pixel 3A XL entdecken.

Das HMD-Sicherheitsupdate stand beim Test des Nokia X20 / X10 Anfang Juli 2021 bei beiden Geräte bei 5. Juni 21. Das bedeutet, dass das man beim der versprochenen monatlichen Update ein paar Tage hinterherhinkt. Allerdings war wohl das Juli-Update auch bei Google etwas verspätet.

Porträt Modus auf dem Nokia X20
Der Porträt Modus auf dem Nokia X20 überzeugt bei Blumen nicht so ganz.

Die Android-11-Oberfläche als solche ist bekannt, deshalb gehe ich darauf jetzt nicht ein. Obwohl der Prozessor auf dem Papier eher etwas schwachbrüstig klingt, sind mir beim Test keine „Gedenksekunden“ oder ähnlich ärgerliche Vorkommnisse passiert. Und das, obwohl besonders das Nokia X20 praktisch als „daily driver“, also für allen Alltagskram genutzt wurde.

Soll ich mit ein Nokia X10 oder Nokia X20 aus dem Test kaufen?

Kompostierbare Hülle Nokia X10
Eine kompostierbare Hülle für das Nokia X10 ist der Packung beigelegt.

Wer die Wahl zwischen dem Nokia X10 und dem X20 hat, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Denn das X10 ist 70 Euro günstiger, hat aber beinahe die gleichen Specs. Ich würde wegen des größeren Speichers trotzdem für das X20 votieren. Denn gerade, wer viele Apps installiert, der findet schnell heraus, dass man viele nicht wirklich sinnvoll auf die Speicherkarte verschieben kann. Damit läuft das Phone dann recht schnell zu.

Mit den Nokia-Geräten gibt es auch keine erweiterten Google-Dienste als Zugabe. Wer also etwa Fotos oder Videos im großen Stil in die Cloud auslagern will, muss sich kostenpflichtig Google One,  Microsoft Office 365 oder ähnliches abonnieren.

Zoom Nokia X20 im Test
Zoom Nokia X20 im Test: Nun ja.

Mich persönlich hat das Nokia X20 tatsächlich begeistert, und zwar so, dass es unser Pixel 3A XL als Android-Referenz-Phone ablöst. Die klare Formensprache, die gute Performance im Alltag, wie gut es in der Hand liegt. Ein bisschen war es bei mir „Liebe auf den ersten Blick“. Passiert mir bei Smartphones nicht so oft. Ihr werdet aber deshalb vom Nokia X20 bei Techsonar künftig öfters lesen.

Nicht verschweigen darf man, dass man bei der Kamera ruhig noch eine Schippe hätte drauflegen können. Auch Qi drahtloses Laden hätte ich toll gefunden. Display und Prozessor werden im Netz manchmal sowie beim Nokia X10 wie beim Nokia X20 manchmal kritisiert. In Alltag konnte ich das nicht nachvollziehen.

Nokia X10 Verpackung
Nokia X10 /X20 mit LED-Display.

Sowohl das Nokia X10 wie das Nokia X20 sind in meinen Augen Smartphones für Erwachsene. Also Leute, die ihren Alltag mit ihrer Hilfe organisieren wollen, vielleicht noch die eine oder andere berufliche App installieren, ein paar Fotos machen wollen.

Gamer und ausgesprochene Foto- oder Video-Freaks sollte sich wahrscheinlich auch eher anderweitig umsehen. In der Preisklasse wird es bei den Marken-Geräten allerdings mit der Display-Größe dann tatsächlich schwierig.

 

 

Über Sonja Angerer 1021 Artikel
Fachautorin und Redakteur. Bei Techsonar vor allem zuständig für die Bereiche Smartphone, Smart Home und Gadgets. Mit viel Erfahrung in Fachmagazinen, u.a Macwelt, Digifoto, Sign Pro Europe, Large Format und Fespa.com.