Test Gigaset GS290: Mittelklasse Made in Germany

Test Gigaset GS290
Test Gigaset GS 290
Das Gigaset GS 290 kommt mit Schnellladegerät und Schutzhülle in der Bambuspapier-Box.

Mit dem 269 Euro teuren Gigaset GS290 bringt der Hersteller ein weiteres Smartphone „Made in Germany“ auf den Markt. Für den Test nehme ich das Verhalten im Alltag unter die Lupe. Testerin: Sonja Angerer

Gigaset hat für viele Menschen ein guten Klang: Die DECT-Telefone von Siemens unter dem Namen sind Legende. Heute ist Gigaset längst ein eigenes Unternehmen mit Sitz in Bocholt. Und dort werden nicht nur DECT-Telefone und Smart-Home-Gadgets auf den Markt gebracht. Sondern auch einige Smartphone-Modelle hergestellt, darunter das neue Gigaset GS 290.

Wobei für die Geräte natürlich Standard-Komponenten vom Weltmarkt zum Einsatz kommen. Im Falle vom Gigaset GS 290 im Test sind das ein MediaTek Octa-Core Helio P23-Prozessor und 4 GB Arbeitsspeicher. Dazu gibt es 64 GB Flash-Speicher. Das ist relativ knapp. Denn “aus der Box“ benötigt das pure Android 9.0 bereits 14% des Speichers. Glücklicherweise gibt es einen Micro-SD-Karten-Slot. Damit kann man auf bis zu 264 GB auf ROM aufrüsten. Man darf dabei allerdings auch im Auge behalten, dass eine 128 GB-Speicherkarte vom Markenhersteller noch mal knapp 30 Euro kostet. Zu berücksichtigen wäre auch, dass man sich zwischen Dual-SIM und Micro-SD-Karte entscheiden muss. Das Tray kann nämlich nur wahlweise zwei SIMs oder eine SIM und eine Micro-SD-Karte aufnehmen.

Gigaset GS 290 Speicher
„Ab Werk“ hat das Gigaset GS 290 nur 64 GB Speicher.

„Made in Germany“ hat übrigens noch einen Vorteil: Man kann sich das Gigaset GS290 beim Kauf direkt über die Gigaset-Webseite gravieren lassen. Das kostet dann 5 Euro.

Gigaset GS 290: Die Optik

Das Gigaset GS 290 Android Smartphone ist in Perlweiß oder Dunkelgrau zu haben. Das Display bietet eine Diagonale von 6,3 Zoll im Format 19,5:9. Die Auflösung beträgt 2.340 x 1.080 Pixel (FHD+). Das Display füllt die Vorderseite ganz gut aus. Seitlich bleiben jeweils vielleicht 2 mm Rand, unten etwa vier. Für die Front-Kamera mit 16 Megapixel gibt es einen kleinen „Tropfen-Notch“.  Rückwärtig hat das Gigaset GS290 eine Dual-Kamera mit 16 + 2 Megapixeln.

Gigaset GS290 Update
Na ja: das Gigaset GS290 hat im Dezember der Google-Update von Oktober.

Das 2,5 D-Bildschirm-Glas sitzt übrigens irgendwie ungemütlich auf dem silberfarbigen Rand. Das sieht nicht nur relativ ungelenk aus. Es erhöht vermutlich auch die Gefahr, das Display an den Ecken zu beschädigen. Deshalb ist es gut, dass Gigaset eine klare Schutzhülle gleich mit in die Schachtel aus umweltschonendem Bambus-Gras packt.

Software und Sicherheit

Der Fingerprint-Sensor des Gigaset GS290 ist auf der Rückseite angebracht. Ich finde das die praktischste Stelle dafür. Alternativ oder zusätzlich kann man außerdem Gesichtserkennung über die Front-Kamera einrichten. Natürlich gibt es PIN oder Muster weiterhin.

Das Gigaset GS 290 bringt einen NFC-Chip, mit dem man beispielsweise Google Pay nutzen kann.

Gigaset GS 290 Dual SIM
Das Gigaset GS 290 bietet wahlweise Dual SIM oder einen SD-Karten-Slot.

Das Gerät wird mit Android 9.0 Pie ausgeliefert. Bei mir hat es sich gleich nach dem Auspacken ein Update inklusive Google-Sicherheitsupdate Oktober 2019 geholt. Mitte Dezember ist das jetzt nicht ultra-schnell, aber akzeptabel. Im Gigaset-Shop steht nichts davon, dass das Gigaset GS290 ein Android 10-Udate erhält. In einem öffentlich einsehbaren Service-Thread stellt das Unternehmen das Betriebssystem-Update jedoch in Aussicht. Auch (Sicherheits)Updates etwa alle drei Monate seinen vorgesehen.

GIgaset GS290: Qi Laden
Für die Preisklasse ein schönes Feature: Das Gigaset GS290 ist Qi-kompatibel.

Als besonders Bonbon verspricht Gigaset drei Monate lang eine kostenfreie Absicherung gegen Bruch- und Feuchtigkeitsschäden. Mit dem „3 Monate Zufriedenheitsversprechen“ kann man das Gerät binnen 90 Tagen nach dem Kauf zurückgeben.

Gigaset GS 290: Die Ausstattung

Das Gigaset GS 690 hat eine Kunststoff-Chassis und kann deshalb drahtlos mit Qi-Standard geladen werden. Alternativ (und schneller) geht es mit dem 9 Volt-Schnelladegerät mit USB-C. Da dauert es etwa drei Stunden, bis der 4.700 mAh-Akku voll ist. Der hält bei „erwachsenem“ Umgang auch mal einen zweiten Tag. Außerdem bietet er die Möglichkeit, über USB-C-Kabel andere mobile Kleingeräte nachzuladen. Man kann das Gigaset GS290 also als eine Art Powerbank nutzen.

Das Gigaset GS290 bietet einen Kopfhörerausgang (3,5 mm Cinch). Das ist etwa bei Flugreisen praktisch. Wie gut der Sound-Chip in dem Gerät wirklich ist, kann ich allerdings nicht sagen. Mit dem eingebauten Lautsprecher klangen Musikstücke und Filme für mich OK. Natürlich hat das Smartphone auch Bluetooth 5.0 an Bord. Man kann es also auch mit einem drahtlosen Headset oder einem Lautsprecher verbinden.

Die Kamera im Gigaset GS290

Mir ist die Rückenkamera in einem Smartphone sehr wichtig. Das Gigaset GS 290 hat auf dem Papier da gute Voraussetzungen. Im direkten Vergleich zum Pixel 3A XL im Automatik-Modus konnten mich die Bilder allerdings eher nicht so recht begeistern. Vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen wirken sie rauschig. Manchmal sind die Farben auch unnatürlich krachig.

Die Kamera-App hat allerdings viele Einstellungen. Mit denen sollte man sich vertraut machen. Denn mit der HDR, UHD, Beauty- oder Pro-Funktion lassen sich zum Teil bessere Fotos machen. Im „Beauty“-Modus für Selfies kann man sich die Augen vergrößern, Falten glätten und das Gesicht schmaler und weißer (!) rechnen lassen. Außerdem gibt es eine Reihe von Filtern sowie einen Bokeh-, und einen Panorama-Modus.

Bis man an der richtigen Stelle in der Kamera-App ist, dürfte die Gelegenheit für einen Schnappschuss aber vermutlich vergeben sein. Das ist ein bisschen blöd. Zumal die Kamera selbst auch nicht superschnell reagiert. Wer also regelmäßig Kinder und/oder Tiere fotografiert, sollte sich zumindest in die Kamera-Funktion einarbeiten. Ach ja, Video gibt es natürlich auch, und zwar 1080p.

Das tägliche Leben mit dem Gigaset GS290

Gigaset dürfte eine Marke sein, die sehr junge Smartphone-Nutzer eher nicht anspricht. Auch glühende Gamer werden sich von einem Mittelklasse-Phone nicht ganz so angezogen fühlen. Vermutlich also kommt das Gigaset GS290 eher in einem „erwachsenen“ Umfeld zum Einsatz: Mail, Messaging, Park App, etwas Social Media, Google Maps. Übrigens bietet das Phone zur Navigation A-GPS, GPS sowie Glonass (das russische Navigationssatelliten-System).

GIgaset GS290 Pro Mode
IM Profi-Modus kann man beim Gigaset GS 290 die Kamera umfassend einstellen.

Letztlich sind alle oben genannten Anwendungen nicht sehr fordernd. Das Gigaset GS290 kam im Test damit gut zurecht. Manchmal gab es eine kleine Verzögerung beim Öffnen einer App. Aber das kann oft ja auch passieren, wenn der Uplink gerade streikt. Richtig aufwendige Games sollte man dem Gerät aber vermutlich nicht zu zumuten. Das ist aber bei fast allen Modellen in dieser Preisklasse so.

Soll ich mir ein Gigaset GS290 kaufen?

Ggaset GS 290 Headphone Jack
Für manchen ein Kaufargument: Die Kopfhörer-Buchse.

Wer ein Smartphone als Arbeitsgerät oder Kleincomputer für das tägliche Leben begreift, kann sich mit dem Gigaset GS290 ein ganz hübsches und ausdauerndes Gerät zum moderaten Preis zulegen. Die Service-Versprechen von Gigaset sind sicher ein zusätzlicher Kaufanreiz.

Alltags-Apps packt das Gerät ohne große Probleme. Durch den Micro-SD-Kartenschacht kann man auch eine große Musiksammlung unterwegs dabeihaben – ganz ohne Streaming. Auch die Kopfhörer-Buchse ist für manchen ein Kaufargument.

Gigaset GS 290 Hülle
Die Hülle ist im Kaufpreis des Gigaset GS 290 inbegriffen.

Die Kamera finde ich akzeptabel – da bin ich allerdings von meinem Pixel 3A XL deutlich besseres gewöhnt. Das Gerät kostet aber auch derzeit noch etwa 400 Euro.

Ich kann mit das Gigaset GS290 gut als Business-Phone vorstellen, etwa in einem KMU. Zumal die Dual-SIM-Funktion auch für Vielreisende attraktiv sein kann. Liebe ich das Gigaset GS290 nach unserem Test? Das wäre jetzt zu viel gesagt. Es begeistert mich nicht wie das Pixel 3 A XL oder das OnePlus 7T. Beider Geräte sind allerdings deutlich teurer. Wer für eine Smartphone nicht viel ausgeben will, sollte sich auf alle Fälle alternativ auch noch das Nokia 3.2 ansehen. Denn das ist noch mal fast 100 Euro günstiger als unter Test-Gigaset GS 290.

 

Über Sonja Angerer 1017 Artikel
Fachautorin und Redakteur. Bei Techsonar vor allem zuständig für die Bereiche Smartphone, Smart Home und Gadgets. Mit viel Erfahrung in Fachmagazinen, u.a Macwelt, Digifoto, Sign Pro Europe, Large Format und Fespa.com.