Test OnePlus 7 Pro: das Foto-Monster mit der Ausfahr-Kamera

Test OnePlus 7 Pro

Mit dem OnePlus 7 Pro stellt der Hersteller erstmals ein „echtes“ Premium-Modell vor – Kostenpunkt ab gut 700 Euro. Wie schlägt sich das Gerät in einem Test, bei dem Die Foto-Fähigkeiten im Vordergrund stehen? Testerin: Sonja Angerer       

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Für mich sind bei einem Smartphone drei Dinge wichtig: Die Sicherheit, Zuverlässigkeit und Foto-Fähigkeiten. Denn ich nutze die Geräte auch beruflich sehr stark. Bislang ist ein iPhone 8Plus deshalb mein Gerät der Wahl. Denn als das 2017 heraus kam, galt es als eines der besten Foto-Phones, die verfügbar waren. Zum verdammt stolzen Preis von über 1.000 Euro übrigens.

So langsam aber kommt es in die Jahre. Und deshalb hat OnePlus das 7 Pro für mich gerade zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt gebracht. Die XL-Version mit 12 GB RAM und 256 GB RAM für unseren Test kostet knapp 830 Euro. Das ist nicht billig, aber immer noch mehr als 100 Euro günstiger als ein iPhone 8Plus mit derselben Kapazität, würde ich es bei Apple heute (!) neu kaufen wollen.

Test OnePlus 7 Pro - Specs
Das OnePlus 7 Pro läuft unter OxygenOS.

Das OnePlus arbeitet natürlich mit dem Betriebssystem Oxygen OS. Das ist ein angepasstes Android, allerdings finde ich es wesentlich stylischer als das pure Original. Insofern: der Sprung von iOS ist vielleicht gar nicht mal so groß.

Test OnePlus 7 Pro: Erste Eindrücke

Man merkt dem OnePlus 7 Pro im Test an, dass es sich um ein ultra-modernes Gerät handelt. Denn praktisch die gesamte Vorderseite ist Bildschirm. Das addiert sich dann zu 6,67 Zoll mit QHD+ Auflösung (3.120 mal 1.440 Pixel) und zieht sich sogar noch ein bisschen über den Rand! Das AMOLED-Display wirkt dabei so knackig und scharf, dass man kaum genug davon kriegen kann. Ich jedenfalls merkte schnell, dass ich zum Lesen immer das OnePlus 7 Pro vorzog. Vor allem im neuen, optimierten Nachtmodus ist es super-angenehm für die Augen. Die Bildwiederholrate liegt je nach Anwendung bei bis zu 90 Hz, was das Seherlebnis nochmal verbessert.

Man kann den Farbeindruck des Bildschirms übrigens einstellen, zur Wahl stehen „lebendig“, „natürlich“ sowie als „Erweiterte Optionen“ beispielsweise sRGB. Das ist für Fotografen und Designer ganz praktisch.

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Der 19,5: 9-Bildschirm ist ideal für moderne Videoformate.

Die extrabreite Ratio von 19,5:9 ist ideal für Videos und Games. Letzteres ist nicht so meines, aber die Aussicht „Good Omens“ auf Amazon Prime mit dem Bildschirm des OnePlus 7 Pro zu genießen, ist schon sehr verlockend. (Leider müssen wir unsere Review-Units wie die meisten Kollegen nach dem Testzeitraum zurückschicken, Also, wenn wir sie nicht verlosen dürfen. So oder so: Im Zweifelsfall muss ich mir mein OnePlus 7 Pro wie alle anderen Menschen selbst kaufen. Aber das nur nebenbei.)

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Durch die besondere extrabreite Bildschirmgeometrie ist das OnePlus 7 Pro mit 162.6×75.9×8.8 mm übrigens nochmal gut 4 mm höher größer als mein klobiges iPhone 8 Plus. Das macht das Gerät ein bisschen „kopflastig“. Das Oneplus 7 Plus ist mit 206 Gramm auch vier Gramm schwerer. In der Realität habe ich das aber nie bemerkt, und hätte schwören können, das OnePlus wäre leichter.

Mir ist das Oneplus 7 Plus auch trotz „Wolkenkratzer-Design“ in gut zwei Wochen intensiven Tests nie aus der Hand gerutscht. Und weil es so verhältnismäßig schmal gebaut ist, kann man es recht gut auch mit einer Hand bedienen. Selbst wenn man kleine Hände hat (wie ich), oder nicht so wahnsinnig geübt darin ist.

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Der Fingerprint-Sensor liegt unter dem Gas.

Apropos Hand, oder vielmehr, Finger: Wie schon bei OnePlus 6T ist der Fingerprint-Sensor auch beim Test OnePlus 7 Pro unter Gorilla Glass verborgen. Der Sensor ist größer als beim Vorgänger, und er soll das Gerät binnen 0,21 Sekunden entsperren. Nun ja, sagen wir mal, der Sensor ist deutlich besser als beim 6T. Mit meinen Fingerkuppen gab es trotzdem immer mal wieder Schwierigkeiten. Die allerdings wurden wie versprochen weniger, je öfter ich auf den Sensor tippte.

Für mich zählt die Kamera

Im OnePlus 7 Plus ist ein Qualcomm Snapdragon 855 Prozessor verbaut, das ist schon sehr, sehr weit oben auf der Performance-Leiter. Für mich als bestenfalls Casual Gamer macht das im Alltag kaum etwas aus. Allerdings konnte man schon merken, dass auch große PDFs oder Excel-Dateien das Gerät auch nicht ins Schwitzen brachten. Wichtig ist mir vor allem die Rücken-Kamera. Das OnePlus 7 Pro hat drei Linsen, die Ultra-Weitwinkel, Weitwinkel sowie dreifachen optischen Zoom ermöglichen. Der Kamerasensor ist von Sony. Die Blende ist mit f/1.6 recht üppig, und natürlich gibt es auch eine optische Bildstabilisierung.

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Wie sich das im Alltag auswirkt? Im Vergleich zum iPhone 8 Plus wie zum OnePlus 6T: einfach Whow. Bei Detailschärfe, Farbdarstellung und natürlich Weitwinkel schlägt das OnePlus 7 Plus die bei uns in der Redaktion genutzten Smartphones um Längen. Ich gebe allerdings zu, dass wir gerade weder ein Huawei P30 noch ein Google Pixel zur Verfügung haben. Beide Geräte sind ebenfalls für eine sehr hohe Fotoqualität (bei höheren Preisen) bekannt. Ich jedenfalls habe während des Testzeitraums bestimmt 100 Fotos mit dem OnePlus 7 Plus gemacht. Darunter waren auch jede Menge für professionelle Zwecke, denn mit bis zu 48 Megapixel reicht die Qualität durchaus auch für den Druck. Selbst der Nachtmodus, bislang eher eine Schwäche bei OnePlus, wurde deutlich verbessert.

Nach nachbessern könnte man allerdings beim Porträt-Modus, hier wirkt mir der Vordergrund zu „künstlich ausgesägt“, Aber das Problem hat nicht nur OnePlus. Natürlich kann die Kamera auch 4K-Video mit bis zu 60 fps, außerdem Time-Lapse und Super Slow Motion.

Ach ja, Selfies

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Beim OnePlus 7 Pro schiebt sich die Frontkamera aus dem Gehäuse.

Die Front-Kamera schiebt sich im Bruchteil einer Sekunde aus dem Gehäuse, denn der Bildschirm sollte ja ohne Aussparung für die Linse („Notch“) bleiben. Auch hier hat man auf einen Sony-Sensor gesetzt, hier allerdings mit Fixed-Fokus-Autofocus. Mit der Kamera kann man das Gerät auch entsperren, und ansonsten optimierte Selfies machen. Ist nicht so mein Ding. Die Kamera fährt übrigens selbsttätig und blitzschnell ein, wenn man das Gerät ruckartig bewegt. Das soll Schäden verhindern, weil so eine Ausfahr-Kamera natürlich schon etwas empfindlicher ist.

Test OnePlus 7 Plus: Akkus und Laden

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Das Snap-on-Case ist im Kaufpreis inbegriffen.

Mit 4.000 mAh hat das OnePlus 7 Plus einen ziemlich fetten, nicht auswechselbaren Akku. Bei mir hat er immer den ganzen Tag gehalten, allerdings leerte er sich bei intensivem Surfen und Fotografieren dann doch überraschend schnell. Mit dem neuen Warp Charge ist man allerdings tatsächlich in nur 20 Minuten wieder sehr weit aufgeladen – wenn man das beigepackte Netzteil nutzt. Mit USB-C-Schnittstelle ist das Gerät ansonsten aber auch umfassend kompatibel. Nur nicht ganz so schnell geladen.

Übrigens arbeitet OnePlus nach eigenen Angaben noch an einer weiteren Optimierung der Akkulaufzeit.

The Bad

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Mit dem 7 Pro hat OnePlus auch die Bullet 2-Kopfhörer vorgestellt.

Es gab natürlich auch ein paar Details, die mich beim test OnePlus 7 Pro gestört haben. So gibt es beim OnePlus 7 Plus wie beim Vorgänger keine Kopfhörerbuchse mehr. Nun ja, der Markt setzt natürlich jetzt auf Bluetooth. Übrigens wurden passend zum neuen Smartphone auch die neuen Bullets 2 Wireless Kopfhörer auf den Markt gebracht. Sie kosten wiederum 99 Euro, bieten nun aber unter anderem Warp Charge für bis zu zehn Stunden Wiedergabe nach zehn Minuten laden. Noch immer sind weder das Headset noch das Smartphone ipx-zertifiziert, also offiziell „wasserdicht“. Nach Angaben von OnePlus können beide Regen, oder auch kurzes Untertauchen ab. Ich habe mich, ehrlich gesagt, bei den Leihgeräten nicht getraut, es auszuprobieren. Wasserdichtigkeit ist bei näherem Hinschauen allerdings immer ein Problem. Denn die meisten Smartphone-Hersteller nehmen Wasserschaden bei Garantie und Gewährleistung aus. Auch bei offiziell wasserdichten Geräten.

Schwerer wiegt für mich, dass man auch beim OnePlus 7 Plus auf drahtloses Qi-Laden verzichtet hat. Ja, das klappt nicht immer gut, und dauert ultra-lange. Ich mag es trotzdem, wen ich mein iPhone auf das Ladepad in meiner Nachttischlampe lege. Nun ja, mit Warp Charge muss man ein Phone gar nicht mehr über Nacht laden. Ist wahrscheinlich sogar ökologischer.

Soll ich mir ein OnePlus 7 Plus kaufen?

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Das OnePlus 7 Pro fühlt sich „Premium“ an.

Wer sein OnePlus 5 oder älter updaten will oder Huawei für derzeit nicht mehr zukunftsfähig hält, der darf gerne zugreifen. Gleiches gilt, in meinen Augen, wenn man von iPhones oder Samsung S-Modellen und ihren ständig steigenden Preisen die Nase voll hat. Mit dem OnePlus 7 Plus bekommt man ein prachtvolles Photo-Phone mit regelmäßigen Sicherheits-Updates für drei Jahre, sowie Betriebssystem-Updates für zwei Jahre. Versprochen. Sagt OnePlus. Ist zumindest sonst bei Android-Smartphones sonst alles andere als garantiert. Und die Farbe, die Farbe! Das wunderbare „Nebula Blue“ machte mich ganz verliebt. Und „Almond“, eine Variante, die in ein paar Wochen verfügbar sein soll, ist ungefähr das schönste Gold-Phone, das ich bislang gesehen habe. (Und dabei schiele ich besonders auf Dich, Apple!) Wer es dezent mag: „Mirror Grey“ gibt es natürlich auch.

Natürlich gibt es auch Menschen, die mit dem OnePlus 7 Plus nicht recht glücklich werden. Pfenningfuchser, die grundsätzlich nicht mehr als 200 Euro für ein Smartphone zahlen wollen, beispielsweise. Oder Hardcore-Apple-Fans. Oder auch Menschen, die ein kleines Smartphone bevorzugen. Alle anderen aber dürfen das OnePlus 7 Plus gerne in die nähere Auswahl nehmen.

 

Über Sonja Angerer 1017 Artikel
Fachautorin und Redakteur. Bei Techsonar vor allem zuständig für die Bereiche Smartphone, Smart Home und Gadgets. Mit viel Erfahrung in Fachmagazinen, u.a Macwelt, Digifoto, Sign Pro Europe, Large Format und Fespa.com.